Denkraum mit Wirkung

Vielleicht war Heidi nie das Problem. Vielleicht war es Frankfurt.

Abstraktes Beitragsbild zum Heidi-Beitrag

Auf der Alm ist Heidi neugierig, lebendig und voller Energie. Dann kommt sie nach Frankfurt. In ein ordentliches Haus. Bildung. Versorgung. Menschen, die es grundsätzlich gut mit ihr meinen.

Eigentlich müsste es ihr dort gut gehen. Tut es aber nicht. Heidi wird stiller. Sie verliert den Appetit, wird blass, schläft schlecht. Irgendwann schlafwandelt sie sogar.

Und was tun wir heute, wenn Menschen in einem System plötzlich nicht mehr so funktionieren, wie wir es von ihnen kennen? Wir sprechen über Motivation. Über Resilienz. Über Belastbarkeit. Über Selbstmanagement. Vielleicht schicken wir sie noch in ein Seminar. Und versuchen damit, den Menschen wieder passend für das System zu machen.

Johanna Spyri hat 1880 etwas beschrieben, das wir bis heute gerne übersehen: Nicht jedes Verhalten, das wir bei einem Menschen verändern wollen, hat seine Ursache in diesem Menschen. Manchmal reagiert er ziemlich gesund auf ein Umfeld, das für ihn nicht gesund ist.

Das Spannende an Heidi ist deshalb für mich nicht nur ihre Rückkehr auf die Alm. Es ist Klara. Denn später wechselt auch sie das Umfeld – in die andere Richtung. Sie kommt zu Heidi auf die Alm. Und plötzlich entstehen Möglichkeiten, die es in ihrem bisherigen System nicht gab.

Vielleicht sollten wir deshalb bei Menschen, die ihre Energie, ihre Neugier oder ihre Leistungsfähigkeit verlieren, nicht immer zuerst fragen: „Was stimmt mit diesem Menschen nicht?“ Sondern: „Was macht eigentlich das System mit diesem Menschen?“

Menschen | Systeme | Wirkung. Manchmal braucht es gar keinen besseren Menschen. Sondern ein besser passendes Frankfurt.

Ursprünglich auf LinkedIn veröffentlicht

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