Höher – schneller – weiter … oder wie ein Sessellift-Sessel zum Eye-Catcher im eigenen Garten wurde.

Vor einigen Tagen bin ich über eine Geschichte gestolpert – und ich bin sicher, viele von Ihnen ebenfalls. Meine Gedanken dazu waren zwiespältig. Oder, wie üblich, von unterschiedlichen Blickwinkeln geprägt.
In einer steirischen Wintersportregion wurde der Sessellift modernisiert - die 4er Bänke wurden gegen 8er Bänke ausgetauscht. Was die Modernisierung zur Geschichte gemacht hat:
Einerseits handelt es sich bei dem Objekt der Begierde – in diesem Fall einem alten Sessellift-Sessel – um ein Sitzmöbel, das seinen ursprünglichen Zweck mittlerweile nicht mehr erfüllen kann. Aber statt es zum alten Eisen zu werfen, wird es zum liebevollen Erinnerungsstück: an den ersten Kuss, an die zaghaften Versuche, einen Berg per Ski hinabzugleiten, an Tee mit Rum mit den Großeltern oder aber an das Anbringen einer Startnummer und die nervöse Spannung vor dem Rennstart.
Was ich aber auch sehe, ist die Entwicklung einer Region in Sachen Wintersport. Und da sind meine Gedanken nicht ganz so verklärt und romantischer Natur. Was bedeutet es auch, dass der 4er-Sessellift einem 8er weicht?
Natürlich führt die höhere Beförderungskapazität einer einzelnen Anlage nicht automatisch zu mehr Gästen in einer Destination. Sie kann Wartezeiten reduzieren, Engpässe beseitigen und Komfort erhöhen. Trotzdem hat mich die dahinterliegende Entwicklungslogik nachdenklich gemacht.
Wenn man sie – in Zeiten von Schneemangel und anderen Naturkapriolen – ganz nüchtern betrachtet: Mehr Menschen auf den Berg transportieren zu können bedeutet auch, mehr Menschen müssen wieder herunter.
Städte wie Venedig oder Barcelona beschäftigen sich längst intensiv mit den Auswirkungen hoher Besucherzahlen und der Frage, wie Tourismus künftig gestaltet werden kann.
Kann und soll der Wintertourismus davon lernen – und seine Fühler über Quantität hinaus ausstrecken?
Muss Weiterentwicklung in erster Linie bedeuten, bestehende Kapazitäten zu erhöhen? Oder lohnt es sich, verstärkt auch andere Parameter in den Blick zu nehmen: Erlebnis, Aufenthaltsqualität, Service, Wertschöpfung oder vielleicht etwas, das wir heute noch gar nicht als Entwicklungsparameter betrachten? Mein Vote hat dieser Gedanke.
Und der alte Sessellift-Sessel?
Der hat seine ursprüngliche Funktion vielleicht verloren. Aber dafür eine neue bekommen.
Und möglicherweise sogar an Wert gewonnen.
Ursprünglich auf LinkedIn veröffentlicht
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