Denkraum mit Wirkung

Wir sollten öfter darüber nachdenken, was unser Verhalten mit dem System macht, in dem wir uns bewegen.

Abstraktes Beitragsbild zum Gedanken über Peter und Paul

Meine Großmutter hat mir einen Satz mitgegeben, der mich bis heute begleitet: „Was Peter über Paul sagt, sagt mehr über Peter als über Paul.“ Danke, Omi.

In den vergangenen Jahren habe ich diesen Satz häufig gebraucht. Manchmal gelingt mir das besser. Manchmal schlechter.

Heute eher schlechter. Anlass ist eine Aussage von Gerald Grosz, der die Krebserkrankung von Markus Marterbauer für einen Vergleich mit dem SPÖ-Vorsitz verwendet hat. Aber eigentlich geht es mir gar nicht um Gerald Grosz. Er hat mit seiner Aussage alles für seine Person und sein Image getan, was man machen kann um sich klar zu positionieren.

Mich beschäftigt etwas anderes: Sind wir uns eigentlich bewusst, welche Wirkung wir auf die Systeme haben, in denen wir uns bewegen? Menschen handeln nicht im luftleeren Raum.

Eine Führungskraft verändert mit ihrem Verhalten ein Team. Ein Kollege verändert die Art, wie miteinander gesprochen wird. Ein CEO prägt, was in einem Unternehmen als akzeptabel gilt.

Ein Mensch mit großer Öffentlichkeit beeinflusst, welche Form von Kommunikation wir miteinander als normal erleben. Nicht allein. Aber als Teil eines Systems.

Und genau deshalb reicht für mich die Frage „Darf oder soll man das sagen?“ nicht besonders weit. Natürlich kann man vieles sagen. Die interessantere Frage ist doch: Was bewirke ich damit? Bei meinem Gegenüber. Bei den Menschen, die zuhören. Und in dem System, dessen Teil ich bin. Denn Wirkung endet nicht dort, wo meine Absicht endet. Menschen können Systeme stabilisieren. Sie können sie entwickeln. Sie können sie menschlicher machen. Und sie können sie beschädigen.

Vielleicht beginnt Verantwortung deshalb nicht erst dort, wo Regeln überschritten werden. Sondern dort, wo wir verstehen, dass unser eigenes Verhalten immer auch das Umfeld mitgestaltet, in dem andere Menschen leben und arbeiten.

Meine Oma hatte also recht: Was Peter über Paul sagt, sagt mehr über Peter als über Paul. Ich würde heute nur noch ergänzen: Und was Peter tut, wirkt weit über Peter hinaus.

Ursprünglich auf LinkedIn veröffentlicht

Nächster GedankeVielleicht war Heidi nie das Problem. Vielleicht war es Frankfurt.